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Die Verwendung von Regenwasser im Alltag

Photo by ddouk, CC0 Public Domain

Es scheint fast so, als ob es uns der Regen niemals recht machen könnte: Entweder gibt es viel zu viel davon, oder er lässt zu lange auf sich warten. Eine wirkliche Abhängigkeit spüren die meisten Bewohner in Industrieländern jedoch kaum. Erst in heißen Sommern, in denen in manchen Gemeinden Wasser-Notstandsverordnungen verhängt werden, wird manchen von uns bewusst, dass es sich beim Regen um ein wertvolles Naturgut handelt. Für viele Menschen, die ihre eigene Gartenpflege betreiben oder sogar Gemüse anbauen, ist es deshalb eine Selbstverständlichkeit, Regenwasser in entsprechenden Regentonnen oder Regenfässern zu sammeln, die gerne an die hauseigene Regenrinne angeschlossenen sind. Dass Regenwasser auch das beste Gießwasser für unsere Zimmerpflanzen ist und immer anstelle von Leitungswasser verwendet werden sollte, wissen alle, die sich etwas eingehender mit der Pflege ihrer grünen Freunde beschäftigt haben. Doch Regenwasser kann auch für viele weitere Zwecke sinnvoll eingesetzt werden.

Wie funktioniert eine Regenwassernutzungsanlage

Egal in welchem Land wir leben oder welcher Kultur wir angehören, fast jeder von uns hegt den Traum vom perfekten Eigenheim. Dies trifft auch auf den uruguayischen Poker-Spieler Marcelo Dalto zu, der jahrelang darauf hinarbeitete, seiner Familie den Wunsch nach einem eigenen Zuhause zu erfüllen. Während der Besitz eines Hauses mit einer Menge Verantwortung und Instandhaltung verbunden ist, bietet sich gerade beim Bau eines komplett neuen Hauses die einmalige Möglichkeit, Regenwasser direkt in die Wasserversorgung miteinzubeziehen. Dabei ist die Idee gar nicht so neu: Schon im alten Rom sammelte man Regen, der auf die Dächer fiel und leitete diesen anschließend in große unterirdische Vorratsspeicher. Nach dem gleichen Prinzip funktioniert eine moderne Regenwassernutzungsanlage für das Eigenheim. Regen kann auf Dachflächen gesammelt und dann über Regenfallrohre einem wasserundurchlässigen Speicher zugeführt werden, der sich entweder im Keller eines Hauses oder, noch besser, außerhalb des Hauses in der Erde befindet.

Das Wasser wird durch installierte Filter in der Zisterne eingehend gereinigt. Im Speicher wird das gesammelte Gut nicht nur bevorratet, sondern auch durch Sedimentation (Ablagern von Teilchen unter Einfluss von Gewichtskraft) und regelmäßigem Ablaufen von Schwimmstoffen befreit. Je nachdem, welche Menge benötigt wird, führt der Speicher mithilfe einer Pumpe dem Verbraucher geklärtes Regenwasser zu. Sollte es zu längeren Trockenperioden kommen, muss immer für eine Nachspeisung durch Trinkwasser gesorgt werden. Dafür kann derselbe Speicher oder eine separate Zisterne verwendet werden. Hauseigentümer, die sich dafür entscheiden, Regenwasser für die heimische Toilette, die Waschmaschine oder die Haushaltsreinigung zu verwenden, müssen sich jedoch an einige Regeln halten.

 

Photo by Skitterphoto, CC0 Public Domain

Regenwasser für Waschmaschine und Toilette

Erstaunlich, aber wahr: Da Regenwasser keinen Kalk enthält, ist es zum Wäschewaschen viel besser geeignet, als unser Trinkwasser. Waschaktive Substanzen wirken effektiver und können aus diesem Grund um bis zu 60% reduziert werden. Auch den Wasserenthärter kann man sich bei einer mit Regenwasser betriebenen Waschmaschine sparen. Diese hat mit kalkfreien Heizstäben übrigens eine wesentlich längere Lebensdauer. Bei einer fachmännisch angelegten Zisterne können Verbraucher davon ausgehen, dass die Qualität des Regenwassers der Qualität von Badewasser entspricht. Dieses eignet sich übrigens nicht nur für die Reinigung unserer Wäsche, sondern auch für die Toilettenspülung.

Laut Statistik verbraucht jeder Einwohner Deutschlands pro Tag 35 Liter sauberes Trinkwasser und das alleine durch das Betätigen der Toilettenspülung. Tatsächlich macht der Gebrauch von Toilettenspülungen fast 30% unseres täglichen Trinkwasserverbrauchs aus. Jährlich ergeben sich aus dieser Menge rund 12.775 Liter pro Einwohner. Für moderne Toilettenspülungsanlagen gibt es mittlerweile praktische Stopp-Funktionen, die die Wassermenge von neun Liter bis auf  drei Liter reduzieren können. Übrigens: Gerade bei Toilettenspülungen und auch bei Autowäschen und anderen externen Anwendungen gilt die Verwendung von gereinigtem Regenwasser als hygienisch und gesundheitlich unbedenklich.

Was es zu beachten gibt

Eine hauseigene Regenwassernutzungsanlage hört sich zunächst nach einer sinnvollen Maßnahme für jeden umweltbewussten Hausbesitzer an. Vor einer solchen Entscheidung sollte jedoch ausgiebig recherchiert werden. In jedem Fall muss laut Gesetz dem Wasserversorger und auch dem Gesundheitsamt die Einrichtung einer solchen Anlage gemeldet werden. Auch die Leitungen für Regenwasser müssen sich farblich deutlich von Trinkwasser-Leitungen unterscheiden. Der Gesetzgeber verbietet es außerdem, die Regenwassernutzungsanlage direkt mit der Hausinstallation zu verbinden, damit mikrobiologisch verunreinigtes Trinkwasser nicht in das Verteilungsnetz gelangt. Zum Zweck der Trinkwassernachspeisung kann jedoch immer eine Verbindung über einen freien Auslauf installiert werden. Interessierte erhalten ausführlichere Informationen auf der Seite des Umweltbundesamtes.